Die dunkle Seite des Internets

am 26. November 2017 in Aktuelles von

Wir schreiben Freitag, den 22.07.2016. Eine schreckliche Tragödie ereignet sich am Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Der 18-jährige Schüler David S. schießt mit einer Pistole um sich und tötet neun Menschen. Nun stellt man sich die Frage: Wie ist es möglich, dass ein 18-Jähriger an eine Pistole kommt? Nach umfangreichen Ermittlungen stellte sich heraus, dass David S. seine Pistole ohne Weiteres aus dem Darknet erwerben konnte.

Was ist das Darknet?

Das Darknet, auch “deep web” genannt, ist ein Teil des Internets, welches jedoch nur über spezielle Software, wie z. B. dem Tor-Browser-Paket erreichbar ist. Das wichtigste Merkmal, was das Darknet von dem konventionellen Internet unterscheidet, ist die Anonymität. So ist es im “open web” kaum möglich komplett anonym zu surfen, da die IP-Adressen der User von allen Webseiten auf direktem Weg einem Standort zugeordnet werden können. Im Darknet hingegen gibt es keine direkten Verbindungen, denn das Darknet ist als sog. “Peer-to-Peer”-Netzwerk aufgebaut – das heißt, dass das Netzwerk zwischen einzelnen Nutzern besteht, also nicht zentralisiert ist. Das ganze funktioniert nach dem Zwiebelprinzip: Jede Verbindung geht über mindestens drei Knotenpunkte, wobei keiner der Server feststellen kann, woher die Anfrage kommt, wie sie Aussieht und wohin die Anfrage geht. Dieses Schichtenprinzip macht es quasi unmöglich den User zurückzuverfolgen und seine Aktionen nachzuvollziehen. Ein weiteres Merkmal des Darknets sind die URLs der Seiten, diese sind nicht so einfach aufgebaut wie im open web (Beispiel: http://onlinemedien.blog/), sondern sie bestehen aus zusammenhanglosen Buchstaben-Zahlen-Abfolgen (Beispiel: http://qzbkwswfv5k2oj5d.onion), damit die Seiten von anderen Usern nicht ohne Probleme gefunden werden können.

Wie ist es sonst möglich die Seiten im “deep web” zu finden?

Die meisten relevanten Seiten im Darknet sind in einer Linkliste, dem sog. “HiddenWiki” gesammelt. Das HiddenWiki sieht im Aufbau dem bekannten Wikipedia sehr ähnlich, enthält jedoch nur URLs von Seiten im Darknet. Einige Seiten sind jedoch nicht über das HiddenWiki erreichbar, sie sind nur nach Kontakt mit den Betreibern erreichbar, was es fremden Personen zusätzlich erschwert unbefugten Zugriff zu erhalten.

Wie kam David S. an die Waffe?

Die Anonymität, die das Darknet verspricht, machen sich viele Kriminelle zunutze, indem sie Seiten betreiben, auf denen illegale Güter und sogar illegale Dienstleistungen erwerbbar sind. So existieren im Darknet sogar Seiten, die sich mit Menschenhandel – also mit dem Handel lebendiger Menschen – befassen. Es ist auch möglich Falschgeld, Drogen und Waffen aller Art im Darknet zu kaufen.
Die zweite Hürde neben der Seitenfindung ist die Bezahlung im Darknet. Im Gegensatz zum herkömmlichen Bezahlprozess im Internet, ist es im “deep web” nicht möglich, über gängige Bezahlmethoden, wie PayPal oder Überweisung, zu bezahlen. Bezahlt wird mit Bitcoins, einer Onlinewährung, welche unter bestimmten Umständen, einen hohen Grad an Anonymität verspricht.

Der Amokläufer David S. kam über das Darknet schnell mit einem Waffenhändler aus Marburg in Kontakt. Dort trafen sich die Beiden nach kurzer Zeit für den Waffenhandel. Für 4000 € konnte sich David S. eine Pistole vom Typ Glock 17 mit dazugehöriger Munition kaufen, welche die Tatwaffe des Münchener Amoklaufs vom 22.07.2016 war.

Ist das Darknet deshalb böse?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn im Darknet existieren nicht nur Seiten mit illegalen Inhalten. Laut einer Statistik von Statista aus dem Jahre 2017 (siehe Abbildung 1) behandeln über ein Drittel der Seiten des “deep web” legale Themen.

Das hört sich im ersten Moment wenig an, jedoch ist es wichtig zu wissen, worum es sich bei diesen Seiten handelt. In totalitären Staaten, in denen es durch die Regierung verboten ist offen zu kommunizieren und seine Meinung zu äußern, bietet das Darknet ein Sprachrohr für die anonyme interne und externe Kommunikation. Gerade dieser Kanal ist unabdingbar für etliche Freiheitsbewegungen. Auch Whistleblower wie Edward Snowden kommunizierten über das Darknet mit den Medien. Das Schützen von Dissidenten war der ursprüngliche Gedanke des Darknets, der bis heute ein wichtiger Bestandteil geblieben ist.

Der Mensch macht den Unterschied

Letzten Endes muss jeder Mensch für sich entscheiden, wofür er das Darknet verwendet, jedoch ist diese Entscheidung mit Bedacht zu treffen, denn das Darknet ist keine gesetzesfreie Zone. Weltweit gibt es Ermittlungen gegen kriminelle Aktivitäten im Darknet – zum Teil mit Erfolg. Seit 2013 wurden international schon über 30 illegale Marktplätze zerschlagen und die Betreiber strafrechtlich verfolgt.

Auch Philipp K., der Waffenhändler, der David S. die Amokwaffe verkaufte, wurde von den Behörden verhaftet, nachdem diese Interesse an einem Waffenkauf vorgetäuscht haben und ihm anschließend mit einem Spezialkommando auflauerten. Angeklagt wurde Philipp K. wegen fahrlässiger Tötung und Waffendelikten. Hier hat die technische Anonymität, die ihm das Darknet verschaffte nicht weiterhelfen können, da er einen menschlichen Fehler beging und damit die Anonymität im Darknet aufgehebelt hat.

Quellen

Zollfahnder hatten Chatkontakt zu Münchner Amokläufer
Der Nazi aus dem Darknet
Was ist eigentlich das Darknet?
Wie funktioniert das Darknet?
Das TOR-Netzwerk nach Kategorien

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