Ich bin dann mal weg. Wie auch du zu deinem Theorie-Auslandssemester kommst

am 19 Feb 2016 in Aktuelles, ON-Guide, ON-Life von
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Wenn du diesen Artikel liest, sitze ich wahrscheinlich schon in einer meiner ersten Vorlesungen in England. Hinter mir liegt über ein Jahr Arbeit, vor mir ein Theorie-Auslandssemester an der University of Leeds. Damit bin ich als Onlinemedien-Studentin eine richtige Rarität. Seit mehreren Jahren hat das niemand mehr gemacht. In diesem Beitrag werdet ihr erfahren, warum das wahrscheinlich so ist, aber auch wie ihr erfolgreich ein eigenes Auslandssemester plant.

Ich kann mich noch erinnern, dass ich bereits vor Studienbeginn im Sekretariat nachgefragt habe, wie das mit internationalen Möglichkeiten im Studium aussieht. Ich wurde mit einer Informationsveranstaltung im zweiten Semester vertröstet. Für euch getestet: Als Onlinemedien-Student lohnt sich die nicht.

Der Grund ist der gleiche, warum auch kaum ein Onlinemedien-Student ein Theorie-Auslandssemester macht: Für Onlinemedien gibt es kein Erasmus-Austauschprogramm. In einer solchen Vereinbarung würde stehen, dass ein Mosbacher Onlinemedienstudent für ein Semester in XY studiert und ein XY Onlinemedienstudent für ein Semester in Mosbach. XY ist in diesem Fall eine beliebige Uni in Europa. Der Student zahlt die Studiengebühren seiner Heim-Uni weiter, in unserem Fall ist das praktisch, wir zahlen keine. Bei International Business ist das kein Problem, bei Onlinemedien schwierig. Dafür ist unser Studiengang zu besonders und nunja, studieren auf Deutsch ist für die meisten Ausländer keine Option.

Mitarbeiter im Auslandsamt werden euch sagen, die bestehenden Vereinbarungen der Fakultät Wirtschaft zu überprüfen. Eventuell besteht die Möglichkeit, den Platz eines BWL-Studenten einzunehmen. Ich habe die Erfahrung machen müssen, dass die DHBW Mosbach zwar einige Erasmus-Vereinbarungen hat, Hochschulen besipielsweise in Spanien oder Südkorea aber keine englischen Studiengänge anbieten, die Onlinemedien ähnlich sind. Irgendwie auch verständlich.

Für mich, für dich, für jeden interessierten Onlinemedienstudenten bleibt, Stand heute, nur eine Möglichkeit. Ihr kümmert euch selbst. Schon diese Entscheidung müsst ihr euch gut überlegen, denn da kommt einiges auf euch zu: Sehr viel Organisationsaufwand, Studiengebühren im Ausland und Klausuren in einer fremden Sprache um nur einige Punkte zu nennen.

„Freemover“ heißt man dann bei der DHBW Mosbach. Im Ausland heißt das meistens „Study Abroad Student (fee-paying)“. Als erstes solltet ihr das grundsätzliche OK von der Studiengangsleitung und von eurem Unternehmen einholen. Die  Studiengangsleitung ist einem Auslandsaufenthalt in der Regel positiv gegenüber gestellt, beim Unternehmen kann das schon anders aussehen. In meinem Fall geht das Semester im Ausland fünf Monate. Das ist neun Wochen länger als das 4. Theoriesemester in Mosbach. Zusätzlich werden die Module nie 100 Prozent mit denen in Mosbach übereinstimmen. Da ist Überzeugungskraft gefragt.

Parallel dazu solltet ihr euch überlegen, welche Universitäten überhaupt in Frage kommen. Mir war relativ schnell klar, dass ich nach England möchte. Englischsprachig musste sein, für die USA war mir der Flug zu teuer (Außerdem: England <3). Größere Universitäten sind, was internationale Austauschstudenten angeht, organisierter, habe ich mir gedacht. Ein weiteres Kriterium: Ich wollte eine Universität besuchen, die in Rankings gut abschneidet. Also habe ich mir eine Liste englischer Universitäten gesucht und eine Universität nach der anderen anhand folgender Kriterien abgearbeitet:

  • Study abroad möglich?
  • Höhe der anfallenden Studiengebühren
  • Studiengänge und einzelne Module, die zu Onlinemedien passen
  • Term Dates
  • Benefits (Wohnheimplatz garantiert, Flughafenabholung, …)
  • Position in Hochschulrankings

Das war eine Arbeit! Dazu kam, dass viele Universitäten die nötigen Infos nicht auf der Website hatten, beziehungsweise nicht zu finden waren, die musste ich dann persönlich anschreiben. Spoiler: Am Ende war ein Auslandssemester nur da möglich, wo auch alle Infos auf der Website zu finden waren. So habe ich nach und nach ausgesiebt, bis am Ende vier Universitäten in der engen Auswahl standen.

Erst dann habe ich mich mit den Bewerbungsmodalitäten vertraut gemacht. Mal sollte man die Formulare online einreichen, mal per Mail schicken, aber unter dem Strich waren die zu einreichenden Dokumente die gleichen:

  • Bewerbungsformular: Neben personenbezogenen Daten werden hier auch die Module gewählt. Dazu später mehr.
  • Motivationsschreiben: Ja, ihr müsst ein Bewerbungsschreiben auf Englisch verfassen.
  • Sprachtest: Eine Unterschrift von der Englischlehrerin reicht hier nicht. Ihr müsst einen IELTS oder TOEFL absolvieren, der um die 200€ kostet und in dem möglichst gut abschneiden.
  • Transcript of Records: Eine Übersicht über eure Noten nach dem ersten Studienjahr. Wird vom Sekretariat ausgestellt.
  • Referenz: Hier verfasst die Studiengangsleitung ein paar nette Worte, warum ausgerechnet ihr ein Auslandssemester absolvieren solltet.

Bewerbt ihr euch auf ein Auslandssemester im 4. Semester, ist die Bewerbung spätestens zwischen Mitte Oktober und Ende November (je nach Uni) einzureichen. Beachtet bitte, dass ihr euch früh genug für den Sprachtest anmeldet und ihr nach Absolvieren des Tests noch ein paar Wochen auf eure Ergebnisse warten müsst.

Das Kniffligste an der Bewerbung ist die Auswahl der Module. Bei manchen Universitäten sind nicht alle Module für Austauschstudenten verfügbar. Außerdem könnt ihr nur Module wählen, die genau und ausschließlich in dem Semester laufen, in dem ihr im Ausland seid. Die Module sollten natürlich einigermaßen mit denen übereinstimmen, die ihr in Mosbach verpasst. Mit eurer vorläufigen Modulwahl geht ihr dann zur Studiengangsleitung. Die kann Module priorisieren und die streichen, die keinen Sinn machen. Am Ende sollten mindestens 30 ECTS übrig bleiben.

Wenn jetzt noch eure Noten und euer Sprachtest gut genug sind, dann habt ihr alles für die Bewerbung zusammen!

Ich habe mich ausschließlich an der University of Leeds beworben. Aus den ursprünglich vier Universitäten in der engeren Auswahl waren zwei dann doch nicht möglich, eine hat sich viel zu lange nicht gemeldet. So blieb am Ende nur mein Favorit übrig. Vier Wochen nach meiner Bewerbung erhielt ich Mitte November die Zusage der Universität. Achtung! Das heißt nicht, dass ihr für alle Module akzeptiert wurdet. Änderungen an den Modulen, sollten eure Wunschmodule nicht klappen, sind aber bis Studienbeginn Ende Januar möglich.

Wenn ihr es mal so weit geschafft habt, Glückwunsch und viel Spaß bei eurem Auslandssemester!

Natürlich gibt es auch für das Studentenwohnheim eine Deadline. Ihr müsst im Auslandsamt in Mosbach den Freemover-Antrag einreichen, ein Learning Agreement aufsetzen und einen Flug buchen, aber das macht ihr dann mit links.

Es gibt noch viele weitere Themen, die ich nicht angesprochen habe. Zu Kosten und AuslandsBAföG könnte ich noch genauso viel schreiben. Ich verlinke euch die wichtigsten Seiten und falls ihr Fragen habt, könnt ihr gerne auf mich zukommen.

DHBW Mosbach: Auslandsemester

Bafög für die Ausbildung in Großbritannien und Irland

University of Leeds: Exchange and Study Abroad