Im gerade beendeten 5. Semester von ON09 standen für die Lehrveranstaltung „Human Computer Interaction 3” bei Prof. Dr. Wirth verschiedene Themen für das Semesterprojekt zur Auswahl. Julia, Sebastian, René und ich haben uns als Projektarbeit für die empirische Evaluation einer Website mit Hilfe des studiengangeigenen Eye-Trackers entschieden. Zur Evaluierung haben wir die Portalseite hochschulenhoch3.de ausgewählt, da der zuständige Portalmanager Jan Berger bei unserem Studiengang angefragt hatte.

Was ist Eye-Tracking?

Einfach gesagt handelt es sich beim Eye-Tracking um die Aufzeichnung der Blickbewegung einer Person am Bildschirm. Sowohl die Bewegung des Auges als auch die Fixationsdauer wird von dem Eye-Tracker aufgezeichnet. Dazu wird die Cornea Reflex-Methode verwendet. Im Anschluss an die Aufzeichnung errechnet die Software unter anderem Heatmaps und Gazeplots, die zur Auswertung oder Problemlösung der eigentlichen Fragestellung der Studie betrachtet und ausgewertet werden.

In einer Heatmap wird die Blickdauer eines Probanden visualisiert. Dies geschieht mit einer Farbcodierung, die von der Blickdauer abhängig ist. Rot eingefärbte Bereiche werden lange fixiert, während auf grüne nur kurz geblickt wird.

 

In einem Gazeplot wird die Blickbewegung, die Blickreihenfolge sowie die Blickdauer visualisiert. Die Messung des Blickverlaufs wird durchgeführt, um Rückschlüsse auf die Aufmerksamkeitsprozesse zu ziehen. Mit den Ergebnissen der Messung kann gezeigt werden, ob die Website benutzerfreundlich ist. Das kann man unter anderem daran erkennen, wie hoch die Nutzungsqualität, die Wahrnehmung oder die Aufmerksamkeit ist und auch an den Lesestilen der Probanden, sowie der Navigierbarkeit der Website.

 

Ablauf des Projekts

Bevor wir mit der eigentlichen Aufgabe des Eye-Trackings beginnen konnten, mussten wir uns zu aller erst über die theoretischen Abläufe und Grundlagen informieren. Dazu haben wir uns neben der tatkräftigen Unterstützung von Prof. Dr. Wirth auch an den Veröffentlichungen von Jakob Nielsen, kein Geringerer als “the guru of webpage usability” (wie ihn die New York Times schon bezeichnete) orientiert.

Der Projektablauf gliederte sich wie folgt:

  • Planung und Organisation
  • Ausarbeiten der zu untersuchenden Fragestellungen
  • Erstellung der Fragebögen
  • Erstellen des Eye-Tracking-Ablaufs
  • Rekrutierung der Probanden
  • Durchführungsphase
    • Pre-Test
    • Eye-Tracking
    • Post-Test
  • Auswertung der Tests
  • Präsentation der Ergebnisse
  • Verfassen eines wissenschaftlichen Papers

Durchführung

Zusammen mit Jan Berger wurden verschiedene Fragestellungen abgestimmt, die beim Test untersucht werden sollten. Mit Hilfe von fünf unterschiedlichen Use-Cases sollte die Verständlichkeit der Navigation, die Wahrnehmung der einzelnen Darstellungsbereiche im Layout, die Durchsuchbarkeit von Informationen und die Benutzerzufriedenheit untersucht werden.

Anschließend wurden von uns die Fragebögen für den Pre- und Post-Test entwickelt sowie der Ablauf des Eye-Trackings in der zugehörigen Software Tobii Studio erstellt. Natürlich haben wir auch das Rekrutieren der Probanden selbst durchgeführt – somit konnten wir insgesamt 12 Studierende der DHBW als Testpersonen gewinnen.

  

Nach der Durchführung des Eye-Trackings und der Interviews wurden die Ergebnisse von uns ausgewertet, Schwächen und deren Ursachen ermittelt und Verbesserungsvorschläge gemacht. In der abschließenden Präsentation haben wir sowohl dem Auftraggeber Jan Berger als auch unseren Kommilitonen von ON09 und ON10 die Ergebnisse und Erfahrungen präsentiert. Und natürlich haben wir auch noch ein ausführliches, 59-seitiges wissenschaftliches Paper verfasst.

Fazit

Mit der Durchführung der Studie konnten neben der sehr positiven Resonanz der Testpersonen auch einige Probleme in der Bedienbarkeit der Website identifiziert werden. Für diese wurden dann Verbesserungsmöglichkeiten entwickelt, mit denen die aufgezeigten Probleme  von Jan Berger und seinem Team beseitigt werden können.

Insgesamt war es für uns ein interessantes und spannendes Projekt – vor allem die Arbeit mit dem Eye-Tracker war ein absolutes Highlight, da man ein solch teures Gerät doch recht selten zur Verfügung hat.

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