labyrinth-wo-soll-es-hingehen

Der Generation IMM (Irgendwas mit Medien) habe ich mich recht früh verbunden gefühlt. Ab 2000 habe ich mich mit Webseiten und deren Erstellung beschäftigt. Wie viele in meinem damaligen Alter, war auch ich hin und wieder auf der Suche nach Möglichkeiten, die meinen monatlichen Verfügungsrahmen, welcher zu der Zeit meist durch meine Eltern bestimmt wurde, aufbessern.

Was kann ich gut? Erst durch einen Bekannten kam ich auf die Idee, mein Wissen zu Geld zu machen. Entwickeln von Webseiten für kleine bis mittelständische Betriebe. Die Idee ließ mich nicht mehr los, also ging ich zum Gewerbeamt. Im oberen Stockwerk der Stadtverwaltung angekommen, musste ich nur noch zur richtigen Tür eintreten. Die richtige Tür gefunden, ein kurzes Klopfen und da stand ich – im Gewerbeamt.

Vor mir saßen zwei Mitarbeiter der Stadt Beerfelden und schauten mich an. Ich fasste mich kurz und sagte „Ich möchte ein Gewerbe anmelden“ (oder zumindest irgendwas in der Richtung, ist ja auch schon ein paar Tage her). Nach einem kurzen Mustern des Mitarbeiters, der sich wohl irgendwie mehr angesprochen gefühlt hatte, wurde mir eine Frage gestellt, die alles ändern sollte: „Wie alt bist du denn?“ Man legte mir anschließend nahe, dass ich doch im Alter von 18 Jahren wieder kommen sollte. Es ist unglaublich, wie schnell andere eine Nadel zücken und einem die ganzen schönen Seifenblasen wieder zerstechen.

Es ließ mich dennoch nicht in Ruhe. Es müsse doch eine Möglichkeit geben, an mein Ziel zu kommen. Mit etwas Recherche, dem Internet sei dank, hatte ich meinen Joker gefunden: Das Familiengericht Michelstadt musste mich für vollgeschäftsfähig erklären.

Ein kurzes Telefonat und schon hatte ich meinen Vorort-Termin. Einer Richterin durfte ich anschließend mein Vorhaben erklären. Besonderen Wert legte Sie darauf, wie ich die finanziellen Belastungen einschätze und welche Gefahren entstehen können. Vollgeschäftsfähig zu sein heißt nicht nur, Geschäfte machen zu können, sondern auch für diese zu haften.

Etwas ernüchternd wurde ich allerdings auch von diesem Gespräch wieder nach Hause geschickt. Die Frau würde sich bei mir im Laufe der kommenden Tage melden. Tag für Tag – es kam mir damals schon wie Monate vor – wartete ich auf einen Brief oder einen Anruf. Vielleicht war mein Vorhaben eine Art Wein, der noch reifen und lagern musste? Schließlich bekam ich den Bescheid. Ich solle mich wieder im Familiengericht einfinden, zum abschließenden Gespräch und zur Urteilsverkündung.

Die Schlacht, David gegen Goliath, sollte ein Ende haben: Mit Urteil des Familiengerichts Michelstadt wurde Stephan Liebig, 2003 für vollgeschäftsfähig erklärt. Da war er, mein Schlüssel zum Reichtum.

Mit dem Urteil ging ich also wieder zum Gewerbeamt in Beerfelden. Die beiden hatten nicht damit gerechnet, mich so schnell wieder zu sehen. Nach etwa einer halben Stunde und 18 Euro weniger im Geldbeutel hatte ich ihn in der Hand – meinen Gewerbeschein.

Darauf folgten ein paar kleinere Projekte für örtliche Firmen, der Realschulabschluss, das Abitur und ein abgebrochenes Elektro- & Informationstechnik Studium in Darmstadt. 2008 wurde der nächste größere Meilenstein gelegt. Der Wechsel vom EIT Studium in Darmstadt nach Mosbach, zum Studiengang Onlinemedien.

Der Gewerbeschein von damals war immer noch Grundlage für meine tägliche Arbeit. Über die Jahre konnte ich mein Netzwerk ausbauen und gewann Vertriebspartner hinzu. Am 30.09.2011 war mein letzter Tag als dualer Student, als Auszubildender. Ein Wochenende – und ein Feiertag (3.10) – lag zwischen dem Dasein eines Angestellten und der Selbstständigkeit.

8 Jahre lang hatte ich meinen Weg in die Selbstständigkeit vorbereitet, um ihn endlich gehen zu können. Und das Onlinemedien-Studium an der DHBW Mosbach hat mir dabei enorm geholfen. Klar, auf der einen Seite konnte ich über die drei Jahre einiges an Wissen weiter ausbauen und auch vertiefen. Was mir persönlich aber viel mehr geholfen hat, waren die Softskills, auf die in dem Studium viel Wert gelegt wird. Wie eine Klette begleitete mich 6 Semester lang: die Vorlesung /das Seminar Rhetorik. Projektmanagement mit anschließender Zertifizierung. Die Ausbildung zum Ausbilder (IHK) wurde genutzt. Aus heutiger Sicht waren das einige meiner Erfolgsfaktoren. Nicht einfach nur den Basisplan verfolgen, sondern mitnehmen was geht.

Heute sind es 13 Monate Selbstständigkeit. Sicherlich war es nicht immer leicht. Gerade am Anfang war der Bereich Vertrieb eine der größten Herausforderungen. Kalt-Anrufe… schrecklich. Auch weiß ich heute, dass der Besitz eines Gewerbescheins keine Garantie für Reichtum ist, zumindest nicht finanziell 😉

In den letzten 13 Monaten wurde von mir vor allem eins gefordert: Das Treffen von Entscheidungen. Krankenkasse, gesetzlich oder privat? Steuerberater, wer hilft mir? Risikoversicherungen, was brauche ich und was nicht? (Letzteres bekommt man auch selten von einem Versicherungsmakler zu hören). Mit wem kann ich Partnerschaften eingehen und mit wem nicht? Das ist keine einfache Sache. Als Einzelkämpfer kommt man hin und wieder in die Lage, Kapazitäten hinzuzukaufen. Toll dass es da die Plattform XING gibt. Schnell findet man Menschen, die das anbieten, was man sucht. Heute weiß ich, dass man genauer hinschauen muss. Vor allem: Nichts ohne Verträge. Es ist mir zwei mal passiert, dass Auftragnehmer urplötzlich vorm Abgabetermin verschwunden sind oder sich drei Tage nach Deadline gemeldet haben mit, „mir ist leider etwas dazwischen gekommen und diese Woche komme ich da auch nicht mehr dazu. Am besten suchst jemand anderen“.

Innerhalb von 10 Monaten wurde ich vom Auszubildenden zum Ausbilder. Was mir dabei geholfen hat? Wieder das Studium. Durch den AdA-Schein, der Teilnahmebescheinigung Mitarbeitermotivation und Führungstraining und natürlich der Bachelor Urkunde, war der Ausbildungsberater der IHK nur 15 Minuten im Büro. (Er hat nicht mal seinen Kaffee ganz leer getrunken ;-))

Warum bin ich eigentlich selbstständig? Es ist nicht zwangsläufig das Gehalt. Einige meiner Kollegen aus meinem Kurs dürften, vor allem zu Beginn meiner Selbstständigkeit, mehr auf der Einkommensseite stehen haben als ich. Es ist aber vielmehr die Abwechslung, der direkte Kontakt mit den Kunden und der Moment, an dem ein Projekt erfolgreich übergebe.

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